durch zufall bin ich auf eine neue laufveranstaltung gestoßen.
auf der webseite marathon4you.de habe ich bei der terminvorschau
geschmöckert was es so im umkreis von zu hause an laufveranstaltungen
gibt.
wichtig war: relativ kurze anreise, eine interessante veranstaltung,
marathon oder länger und auf jeden fall zum zeitpunkt
her passend.
und siehe da - die ulmer
laufnacht wurde gefunden. ulm ist "relativ"
in der nähe. über die a8 waren es 323 km und mit
knappe drei stunden fahrzeit erreichbar. der start von dieser
erstmals ausgetragenen veranstaltung war in blaustein (liegt
7 km westlich von ulm).
die startzeit war auch spannend. nachdem es sich ja um
die ulmer laufnacht handelt war mir zu beginn klar, dass
der lauf abends stattfinden sollte. dass der start um 23
uhr erfolgt überrascht mich dann doch ein wenig.
für mich neu war auch die laufstrecke. es handelt
sich hier um einen 100 km lauf. die kilometer waren für
mich kein thema - neu war für mich, dass es sich hierbei
um eine einzige runde handelt. mit diesem link ulmer
laufnacht laufstrecke könnt
ihr die laufstrecke auch abfliegen. (klickt zuerst am oberen
kartenausschnitt auf den button "sat", auf der
rechten seite findet ihr einen möglichkeit zur vollbild,
mit dem raster auf der linken seite könnt ihr die ansicht
noch ändern. nun klickt rechts auf den text 100km nacht
ulm und anschließend auf streckenflug)
am nachmittag gings los nach ulm. um die speicher noch
aufzufüllen führte uns der erste weg gleich in
eine pizzeria. die startunterlagen bekam ich in der turnhalle,
diese war auch als ruhestätte vorgesehen. ein toller
luxus, der turnmattendienst hat super funktioniert und mit
den wenigen habseeligkeiten auch schon fertig bezogen. anita
und philipp machten sich noch ins angrenzende bad um die
stunden bis zum start zu überbrücken. ich wollte
sowieso noch ein schläfchen halten, aber nachdem sich
die halle immer mehr füllte und füllte war auf
grund der geräuschkullisse an einen schlaf nicht zu
denken.
zwischenzeitlich ist auch meine radbegleitung eingetroffen.
ein service, der mir nicht bekannt war. einen bewerb mit
so einer großen runde kannte ich nicht. meine vorstellung
war, dass ich dazu zwei begleiter brauchen werde. einen
ständig bei mir, der mir diverse unterstützung
geben kann und eine autobegleitung um die größeren
utensilien wie kleidung, reserveschuhe... zu transportieren
und auch als heimholdienst, falls etwas dazwischen kommen
sollte, fungiert. nach dem bewerb hat sich herausgestellt,
dass die radbegleitung reicht. es war immer schön wenn
anita, die mit dem auto unterwegs war, bei den labestationen
war (ab km 44) - der aufenthalt an den stationen war aber
zu kurz.
uli machte schon zu beginn einen sympathischen eindruck.
von seinen erzählungen merkte ich, dass er bestens
auf die veranstaltung vorbereitet war. er hatte alles mit,
was er glaubte zu brauchen. gps, fotoapparat, digicam, verbandszeug,
energieriegeln und gel. nachdem uli sich über mich
schlau gemacht hat und wusste, dass ich beim 12 stundenlauf
in vogau 95 gelaufen bin, schätze er so ca. 13-14 stunden
laufzeit für mich. noch dazu mit den höhenmeter,
die wir zu bewälten haben... ehrlich gesagt, für
mich war es ein schock - so lange...
kurz vor 23 uhr ging es dann ab zum start, der auf einer
tartanbahn im sportstadion erfolgte. auf dem fußballplatz
waren 4 heißluftballone postiert, die mit ihren gasflammen
das gelände beleuchteten. der countdown wurde von 10
runtergezählt, bei zwei erfolgte ein kleiner blob und
bei null ist eine feuerwerksrakete explodiert. das signal
zum start. weitere raketen stiegen zum himmel und das stadion
wurde mit sprühraketen und leuchtkörpern erhellt.
die läuferschar, mit stirnlampen unterwegs, setzte
sich bei dem schönen start in bewegung.
die ersten 10 km wurden ohne begleitradfahrer zurückgelegt.
die läufermenge war noch zu geballt unterwegs um betreut
zu werden. bei der ersten labestation gesellte sich dann
uli zu mir und verlässt mich auf den restlichen 90
kilometer nur um mir entweder bei den labestationen etwas
zu besorgen, oder das eine oder andere foto von mir zu machen.
wie die betreuung funktionieren sollte war uns beiden nicht
klar. wir kannten uns nicht, für uli war es die erste
persönliche betreuung bei einem event und auch für
mich war es neu, jemanden ständig an meiner seite zu
haben. wir beschlossen die sache auf uns zukommen zu lassen.
er wird mir ein paar geschichten von sich bzw. von ulm erzählen,
wenn er mir auf den nerv geht sollte ich es ihm sagen, den
rest werden wir sehen...
bei km 44 (kloster wiblingen) hat erstmals anita auf mich
gewartet. kurz ein neues pflaster für die brustwarze,
einmal einsprühen mit ortho´s wunderspray und
weiter gings richtung iller und dann zur donau. uli machte
sich echt als reiseführer gut. er hat mir eine menge
erzählt über die befestigungsanlagen, die stadtmauern,
die iller... nur - ich konnte wenig aufnehmen. die müdigkeit
hat mich gepackt, mit dem hintergedanken wieso-warum-weshalb
- ulis motivationsspruch "jetzt laufst noch 20 km dann
kommen wir zu dem steilen anstieg" trafen mich wie
ein hammer. entlang der iller war auch nichts los - selten
trafen wir einen läufer oder läuferin. kann mich
noch an eine erinnern mit sponsoraufdruck "ratiopharm"
und trinkgürtel. sie war als staffelläuferin unterwegs,
das tempo war zwar schnell aber doch gut um wieder in die
gänge zu kommen. also nichts wie ran und ziehen lassen.
zum glück hatte sie auch nichts dagegen. uli machte
weiterhin einen tollen job. mit präzisen angaben wann
in welche richtung abzubiegen ist, wie lange der streckenabschnitt
dauern wird, mit interessanten geschichten die ihm vor ort
bei der erkundungstour passiert sind (jetzt kann ich es
dir ja erzählen, gestern bei der tourbesprechung hatten
wir hier einige platten, alle durch reisnägel verursacht,
aber jetzt sind wir ja durch und es ist nichts passiert...)
- die organisierten begleitradfahrer sind echt ab vortag
die geamte strecke schon mit dem rad abgefahren - 200 km
an zwei tagen am sattel - lieber lauf ich die 100...
auf den letzten km der donau entlang haben wir auch die
bekannten ulmer schachtelboote gesehen. dank uli´s
erklärung sind mir jetzt auch diese ein begriff. bei
tagesanbruch habe wir nach 65 km das kloster oberelchingen
erspäht - wir unten im tal - das kloster oben am hügel
- der mächtige anstieg (20 % steigung) steht bevor.
"pauli" kurzzeitig habe ich uli´s namen
vergessen - habe ich "vorgewarnt", dass ich diesen
im gehen bewältigen werde - er meinte dazu, dass er
nicht glaubt ob den irgend jemand laufen wird können.
für uli hatte der anstieg auch etwas positives - endlich
wurde auch ihm warm...
der einlaß zum kloster war richtig aufbauend - von
der rückseite über eine wiese kommend, haben wir
das klostergelände über den friedhof betreten
- kurz mit anita die weitere betreuung besprochen, die labestation
aufgesucht und weiter gings - in 10 km, die uns immer wieder
bergauf und bergab laufen liesen, seh ich anita wieder.
jetzt war ich wieder mal so ziemlich müde - das gespräch
mit uli war einseitig - ich konnte ihm weder vernünftig
antworten noch etwas zum gespräch beitragen. in jungingen
(km 75) war dann die nächste labestation. hinter dem
verpflegsstand sah ich ein feldbett auf dem ein läufer
gesessen ist, dachte ich mir auch - gut nehm ich mir einen
becher wasser mit und setz mich nieder. ein mann hat mir
dann noch einen mohnkuchen angeboten, von dem ich gerne
ein stück genommen hab. und dann - bin ich eingeschlafen
- sagt anita - in einer hand den becher, im mund ein stück
kuchen, in der anderen hand den restlichen kuchen - sagt
anita. weiß nicht, wie lange das gedauert hat, auf
jeden fall bin ich dann wieder auf, hab mir zwei becher
cola genehmigt und wir sind weiter. bei km 85 war wieder
treffpunkt mit anita.
die letzten 25 km ging es einigermaßen wieder gut.
kurz nachdem wir den 75 km punkt verlassen haben kann ich
mich noch auf ulis ausspruch erinnern - jetzt laufst noch
geschwind einen tollen halbmarathon - dann hast du es geschafft.
naja, wenn er meint - machen wir es halt. die diversen anstiege
wurden im gehen bewältigt, die flachstücke und
bergabpassagen wurden gelaufen - so gut es ging. der rhythmus
passte auch wieder. läufermäßig war das
feld weit auseinander gezogen. alle die mich überholten
konnte ich nicht folgen, jene, auf die ich aufgelaufen bin,
waren wieder langsamer. eine laufgemeinschat zu bilden war
unmöglich.
beeindruckend war die wilhelmsburg - ein imposanter gebäudekomplex
mit tiefem burggraben und mauern, die wir auch durchlaufen
durften. über die ulmer alp ging es dann weiter ins
kiesental - das ende nahte - felder, wiesen, täler,
die sonne über uns waren einladung genug um das tempo
wieder zu erhöhen. die letzten 10 km waren vom veranstalter
regelmäßig ausgeschildert - wie ein countdown
wurden sie runtergezählt. mit uli war abgesprochen,
dass ich den letzten km alleine laufen möchte und er
mir ein paar fotos vom zieleinlauf machen möchte. die
letzten 300m waren wieder auf der laufbahn, wo wir vor 99,7
km gestartet waren, zu laufen. es war schön wieder
da zu sein. anita, philipp warteten mit zwei bier in der
hand auf mich hinter dem zielbogen - noch ein paar schritte
und geschafft wars!
100 km - 10:25:23 stunden
8216 kcal verbrennt, 129 puls schnitt
6:15 min/km
zur belohnung gab es wurstsemmeln, käsesemmeln, kuchen,
obst, verschiedene getränke an der labestation, ein
finisher - funktions-t-shirt, eine medaillie und einen wunderschönen
weichen (wenn auch ein wenig nassen) fußballrasen
zum ruhen.
meine versorgung: wasser, eigenes elektrolythgetränk
mit spezialsalzwasser, ein enervitgel, ein sackerl studentenfutter,
ein paar stückchen kuchen, eine banane. die diversen
elektrolythgetränke an den labestationen bzw. die suppe
hätte ich mir geschmackstechnisch sparen können.
zu meinem begleiter uli: obwohl wir uns erst kurz vor dem
start kennengelernt hatten, stimmte die harmonie. dass es
für beide ungewohnt sein wird und keiner weiß,
was auf den anderen zu kommt, ist verständlich. er
hat sich wirklich bemüht - wollte immer das beste für
mich rausholen und mich auch pushen, wenn ich einen hänger
hatte. hat mir interessante dinge über sich und ulm
erzählt, versucht, mir die zeit so kurzweilig wie möglich
zu gestalten. oft waren wir einfach nur nebeneinander unterwegs
und haben uns - in gedanken versunken - still unterhalten.
ich habe keine minute bereut mich von uli betreuen zu lassen.
sollte ich wieder einmal zu diesem lauf kommen - und davon
gehe ich aus - werde ich wieder uli bitten mein partner
zu sein.
anita als autobegleiterin ist wie immer schön zu sehen,
dabeizuhaben und natürlich wichtig. die spezielle versorgung
mit dem auto ist aber extrem zeitaufwendig und steht nicht
zum verhältnis. ich denke, dass beim nächsten
mal uli mehr reserveausrüstung mitbekommt und anita
telefonisch für notfälle erreichbar ist. schließlich
steht ja am zweiten tag die rückreise am programm und
da ist ein ausgeschlafener autofahrer sehr wichtig.
zu meinen blessuren: abgesehen von einer gewissen steifigkeit
habe ich den lauf gut überstanden. der muskelkater
in den oberschenkeln hält sich in grenzen. der linke
knöchel ist leicht angeschwollen - hatte beim lauf
mal einen schmerz verspührt. das wars!
kurz zusammengefasst: eine wirklich tolle veranstaltung,
das service, die betreuung, die verpflegung wirklich super
- alle mitarbeiter der organisation haben sich bemüht
uns läufern zu helfen. alle kontrollposten, absperrposten
entlang der strecke haben aufmunternd geklatscht und angefeuert.
die bevölkerung war oft bei lagerfeuer, radiomusik,
kerzenschein entlang der strecke um uns - noch bis in die
frühen morgenstunden zu unterstützen. der start
mit ballons und feuerwerk war grandios und habe ich noch
nie miterlebt. die strecke hat alles geboten, von asphaltstraße
über radwege, forststraßen, wanderwege, treppelwege
entlang der iller und donau, wald- und wiesenwege - bis
auf den abschnitt entlang der iller bzw. donau kam nie langeweile
auf.
im nenngeld von € 50,- war enthalten: ein starter
t-shirt, ein gutschein für die spätzle-party,
kostenloser eintritt im angrenzenden bad (mit sohlebecken)
für alle zwei tage, die verpflegung und versorgung
entlang der strecke und im zielbereich, ein funktions-t-shirt
für alle finisher, eine medaillie, und für €
20,- aufpreis war auch der begleitradfahrer mit t-shirt
und verpflegung versorgt, egal ob gemietet oder selber mitgebracht.
sofern es sich einrichten lässt komme ich im nächsten
jahr wieder - der termin mit 2.-3. juli 2010 ist schon fixiert.