.... race across burgenland - 30. - 31. august 2008
kittsee nach kalch 218 km

 

 

am 30. august 2008 trafen sich kurz vor sieben eine handvoll ultraläufer beim ortsausgang von kittsee.
kittsee, die nördlichste ortschaft des burgenlandes wurde als start für dieses ultralaufevent ausgewählt. als herausforderung stand die durchquerung des östlichen bundeslandes der länge nach auf dem programm.

von kittsee nach kalch -
218 km in mindestens 36 stunden.

begonnen hat dieses event schon einen tag vorher. am 29. trafen sich organisatoren und teilnehmer zur läuferbesprechung in stegersbach (205 km vom start entfernt!!!).
das wirkte sich so aus, dass teilnehmer, wie auch betreuer schon um vier uhr früh austehen durften, frühstückten und entweder mit dem eigenen auto oder mit dem organisationsbus nach kittsee anreisten. es blieb wenig zeit sich zu richten und die letzten vorbereitungen zu treffen.

 

wir - das betreuerteam für Andi Pfandlbauer ( freund und vereinskollege) bestand aus seiner mama, die seine verpflegung richtete und die notwendige mentale unterstützung lieferte.

anita, die alles organisierte, dass sich andi (und auch ich - kaffee...) wünschte, mit dem auto stundenlang gefahren ist und immer für ein späßchen zu haben war, und

 

 

mir - der 14 stunden am rad gesessen ist, andi die trinkflaschen reichte, nächtens teilweise mit dem auto gefahren und in den morgenstunden ein paar kilometer mitgelaufen ist.

drei betreuer für einen läufer - es war notwendig und gut, dass wir so viele waren.

 

andi war voll motiviert. das anfangstempo wurde gut gewählt und eine kleine elitäre spitzengruppe konnte sich schon bald nach kittsee absetzten. in dieser gruppe war auch schon der spätere sieger - Jo Wagner - und der zweitplatzierte - Michael Peel - zu finden.

für die ersten stunden blieb die gruppe auch zusammen. die verpflegung wurde entweder laufend oder per rad gereicht und nur die notwendige notdurft lies eine kurze pause zu.

die gesamte strecke war auf vier checkpoints aufgeteilt - jeweils ca. 50 km. bei diesen checkpoints musste sich der läufer und auch der betreuer kurz melden. schwieriger war jedoch ein geparktes auto als checkpoint ausfindig zu machen - oft war die verwirrung groß. die streckenführung war so gewählt, dass entlang der bundesstraße zu laufen war. die ortschaften, die in der streckenliste anfgeführt wurden "konnten" wir links liegen lassen und mussten nicht durchlaufen werden. dieser umstand hat zu späterer zeit einen schwerwiegender fehler zur folge...
im nördlichen burgenland war die verkehrsbelastung enorm. die läufer links am straßenrand waren dem gegenverkehr ausgeliefert. radwege, die entlang der strecke waren wurden zwar genutzt, sobald diese aber in eine andere richtung gingen, wurde sicherheitshalber wieder auf der straße gelaufen.

andi bot eine bemerkenswerte leistung. war gut gelaunt, pulsmäßig im unteren bereich unterwegs und lange zeit an dritter stelle. die pausen waren gut gewählt, andi gab den rhythmus vor, wenn es ging zögerten wir diese ein paar kilometer noch hinaus. tagsüber wurden bei den pausen die trinkflaschen für das rad ausgetauscht, andi massiert und mit kühlender flüssigkeit eingecremt. in der nacht wurden die getränke schon während der fahrt zubereitet, an der heizung angewärmt und direkt an andi übergeben. kalte getränke würden seinem magen schaden.
die müdigkeit machte sich bei allen bemerkbar. vor allem andi mussten wir teilweise eine halbstündige ruhephase gönnen. solange uns kein anderer läufer überholt hat andi zeit sich auszuruhen.

je länger die nacht dauerte um so schwieriger wurde es andi zu motivieren. ein läufer (ich glaube es war Reinhard Lackner) überholte uns während einer pause. andi wollte natürlich seinen dritten platz wieder zurückkämpfen - die kräfte und die mentale kraft schwanden...
zwanzig kilometer vor jennersdorf passierte uns dann auch noch ein fehler. wie schon die ganze laufstrecke gewohnt haben wir die zwischenorte links liegen gelassen. so auch an dieser besagten kreuzung. links ging es nach mogersdorf und gerade aus nach jennersdorf, unser nächster checkpoint den wir ansteuern durften. also blieben wir auf der straße - und genau das war ein großer irrtum. 4 uhr früh - andi mental angeschlagen, ich war mit ihm laufend unterwegs. anita ist schon mit einem unguten gefühl noch die strecke voraus abgefahren und hat den irrtum bemerkt. wieviele kilometer es waren - keine ahnung - aber um diese zeit ist jeder kilometer der umsonst gelaufen wird zuviel.
die wettbewerbsregeln besagen, dass ein läufer der sich verirrt, wieder zu dem punkt zurückgefahren werden darf, an dem er sich verirrt hat. von dort ging es wieder weiter - wütend - schimpfend - frustriert...
in all der hektik haben wir andi dann auch noch eine falsche kilometerzahl bis zum checkpoint gegeben. aus 12 kilometern wurden auf einmal wieder 19...
was in diesem moment aus seinem mund gekommen ist, könnt ihr euch vorstellen.

 


in der morgendämmerung haben wir dann jennersdorf erreicht - kilometer 200! und wieder ein checkpoint. andi musste schlafen. er war ziemlich am ende - ruhe fand er nur schwer - zuviele gedanken und schmerzen gingen durch seinen körper. nach einer halben stunde meinte er dann, dass er aufgibt! er kann nicht mehr. es hat keinen sinn - dritter kann er nicht mehr werden und alles andere ist zwecklos.

andis mama war gefragt. zureden - zuneigung war gefragt - und sie hat es wieder geschafft andi auf die beine zu bringen. gemeinsam sind wir losgegangen. wie laufanfänger - eine minute laufen - eine minute gehen - eine minute laufen - eine minute gehen...

und wir - nein - andi hats wieder geschafft!

er kam wieder ins laufen - spulte kilometer für kilometer ab. lief kilometerzeiten unter 6 minuten!

welchen kopf hat dieser mensch. andi ist "erst 30"! und ultraläuferisch und mental - top!

 

die letzten kilometer hatten es dann noch in sich. ein berg tat sich vor uns auf, der auf keiner streckenbeschreibung vermerkt war. aus 9 kilometern in der liste wurden sicher noch 15!

diese wörter die andi für diesen umstand dafür über hatte, möchte ich hier aus jugendschutzgründen nicht kommentieren...

nach 27 stunden und 5 minuten war es dann endlich geschafft!

andi hat kalch erreicht. nach angegebenen 218 km (die genaue entfernung kann keiner sagen) waren andi und wir am ziel.

fluchend und doch glücklich - von seinem wunsch, die ortstafel abzumontieren konnten wir ihn abhalten.

körperlich ausgelaugt und dennoch ohne größere blessuren. (wenn wir von den zwei blauen großen zehennägel mal absehen).

was jetzt angesagt war - war liegen und sich nicht mehr bewegen. an schlafen war nicht zu denken, zuviele gedanken kreisten in seinem kopf.

zusammenfassend ist zu diesem bewerb zu sagen:

1) hier musst du einmal dabeigewesen sein. sei es als läufer oder auch als betreuer.

2) einmal dabei sein reicht...

3) für € 100,- nenngeld wird geboten: zwei nächte in einem super hotel in stegersbach, dessen frühstück nicht genutzt werden kann, weil um fünf uhr früh abreise ist, die therme nicht genutzt werden kann, weil es eh eine hoteleigene sauna gibt...

4) eine streckenbeschreibung, die viel offen gelassen hat. orte, die auf der liste waren konnten ausgelassen (bzw. links liegen gelassen) werden. wichtig waren die checkpoints - was dazwischen passierte war jeden läufers eigene sache. wer sich örtlich sehr gut auskannte, hatte sicher vorteile - zumindest zum schluß, wo es einen radweg richtung kalch gab...

5) 4 checkpoints, die schwach besetzt sind und nicht einmal als checkpoints markiert sind. eine dürftige verpflegung haben. wenn es gut geht einen kuchen, etwas zu trinken (wasser) in jennersdorf einen kaffee...

6) helfer, die selbst nicht bescheid wussten wer jetzt wohl schon vorbeigekommen ist und wer nicht. aussagen, dass läufer abgängig waren und nicht gefunden wurden (vielleicht waren diese auf abwegen unterwegs...)

7) einen zielbereich, in dem nicht mal jemand vom organisationskomitee (otto haben wir überhaupt nur am start bzw. kurz vor eisenstadt gesehen) war - wenn wir von der dame von den bezirksblättern mal absehen.

8) nach dem ziel mit dem auto wieder zum hotel (ca. 60 km) gefahren werden sollte, in dem um 20 uhr die siegerehrung (ohne uns) statt fand.

wir machten uns nach einer bus-umräumaktion wieder auf den weg richtung bad ischl und plainfeld. telefonisch meldete sich andi bei otto ab. seinen teilnehmerpokal spendet er (fürs nächste mal braucht otto ihn nicht aufbewahren...)

 

gewonnen hat diesen bewerb Jo Wagner in sensationellen 21 stunden und 55 minuten. zweitplatzierter wurde michael peel, der lange zeit auch mit andi gelaufen ist. dritter wurde reinhard lackner vor ambros mühlbachler.

organisiert und verantwortlich für diesen bewerb ist otto peischl