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NEWS
August 2007
Zeit für Bewegung
 
 
Kohlenhydrate machen Feuer

 

Wer schnell laufen will, muss unterwegs für Kohlenhydratnachschub sorgen

Aus Fetten wird zwar bei gut trainierten Marathonläufern der größte Teil der Energie bereitgestellt, doch scheinen diese Reserven selbst bei mageren Läuferstaturen schier unerschöpflich, so dass nach einer langen Zeit gängiger Lehrmeinung eine zusätzliche Zufuhr während der Belastung nicht notwendig ist.

Anders ist das allerdings bei den Kohlenhydraten, die der Volksmund unter dem Begriff „Zucker“ zusammenfasst. Auch wenn der Hauptanteil der Energie wie oben beschrieben aus den Fetten bereitgestellt wird, so ist eine Kohlenhydratzufuhr für eine gute Marathonleistung unbedingt notwendig. "Fette verbrennen im Feuer der Kohlenhydrate" lautet eine der Standardthesen der Sporternährung, die sich auch biochemisch begründen lässt.

Die Versorgung mit Kohlenhydraten während eines Marathonlaufs hat viele Vorteile:
Durch die Aufrechterhaltung des Blutzuckerspiegels kommt es nicht zu dem deutlichen Leistungsknick, wie er gehäuft bei Läufern auftritt, die unterwegs keine Kohlenhydrate zu sich nehmen der berühmte "Mann mit dem Hammer“ ist kein Phänomen des Kopfes, sondern eher eines zwischen Magen und Muskelzelle. Auch haben zahlreiche Studien belegt, dass Sportler, die während und direkt nach einer langen Belastung Kohlenhydrate zu sich nahmen, wesentlich schneller regenerierten.

Und ganz wichtig: Die Kohlenhydrataufnahme während der Belastung schützt auch das Immunsystem.

Das offene Fenster
Infektionskrankheiten wie Erkältungen oder die Herpes-Bläschen an der Lippe treten gehäuft nach erschöpfenden sportlichen Belastungen auf. Nach einem Marathonlauf fühlen sich nicht nur die Beine müde an, auch das Immunsystem ist durch die Belastung stark geschwächt und öffnet Krankheitserregern Tür und Tor. Die Sportmediziner nennen das den Open-Window-Effekt. Die richtigen Regenerationsmaßnahmen sorgen dafür, das offene Fenster eher zu schließen. Dazu gehört nicht nur das richtige Maß an Erholung nach dem Marathon, sondern auch schon die Versorgung mit Nährstoffen während der Belastung. Zahlreiche Studien konnten belegen, dass eine kontinuierliche Kohlenhydrataufnahme während des Sports die Immunfunktionen stabilisiert.

Der 90-Minuten-Tank
Im Gegensatz zu den Fetten kann der menschliche Körper nicht genügend Kohlenhydrate speichern, um den Läufer sicher über die Marathondistanz zu führen. Kohlenhydrate werden im menschlichen Körper in der Form des Glykogens gespeichert, einem Netzwerk aus einer Vielzahl von Glukosemolekülen (Traubenzucker). Sind die Speicher optimal gefüllt, wie es zum Beispiel durch den Prozess der Glykogen-Superkompensation mittels eines bestimmten Trainings- und Ernährungsregimes in den letzten zehn Tagen vor dem Wettkampf erreicht werden kann, dann reichen diese Energiereserven für maximal 90 Minuten.

Einen Marathon in 90 Minuten das schaffen nicht einmal die Profis. Die logische Folge ist, dass Sie unterwegs für einen Kohlenhydratnachschub sorgen sollten.
60 bis 70 Gramm Kohlenhydrate kann der Verdauungstrakt in jeder Stunde verarbeiten noch mehr kann aber auch zu Durchfällen und Bauchkrämpfen führen. Testen Sie daher vor Ihrem großen Tag, wie viele Kohlenhydrate und vor allem in welcher Form Sie diese unterwegs problemlos verarbeiten können.

Der Flaschen-Trick
Leider versorgen noch immer nicht alle Veranstalter ihre Läuferscharen mit Kohlenhydraten an den Verpflegungsstellen aber es gibt meistens einen Trick: Die meisten Rennen bieten die Deponierung von Eigenverpflegung an. Alle fünf oder zehn Kilometer werden an speziellen Tischen die Päckchen gereicht, die der erfahrene Marathonläufer sich für seine 42,195 Kilometer lange Herausforderung bereitstellen lässt. Meistens werden diese Lunchpakete im Startbereich gesammelt und zu den entsprechenden Kilometermarkierungen gefahren.

Unser Tipp: Kennzeichnen Sie den Behälter unbedingt mit Ihrem Namen, Ihrer Startnummer und dem Kilometerabschnitt. Auch ein besonderes Erkennungsmerkmal wie ein Luftballon oder ein auffallendes Fähnchen helfen Ihnen, Ihre Eigenverpflegung im Gedränge wiederzufinden. Für den Fall, dass Ihre Kohlenhydratration aus irgendeinem Grund verloren gegangen ist, sollten Sie aber ein Not-Energiegel oder einen kleinen Riegel mit sich führen, um nicht vor der nächsten Tankstelle ohne Sprit auf der Strecke zu bleiben.

Jedem das Seine
Die Kohlenhydratzufuhr kann unterwegs auf drei Arten erfolgen: Es gibt die Zuckerrationen in fester Form (Riegel, Bananen oder Rosinen), als Flüssigkeit (kohlenhydratreiche Getränke auf einer Maltodextrinbasis) oder als gelförmige Zwischenstufe (Energiegels, die ebenfalls auf Maltodextrinbasis bestehen).
Gels sind nicht jedermanns Sache, lassen sich aber gut transportieren und dosieren so muss der Sportler an den Verpflegungsstellen nur eine ausreichende Menge Flüssigkeit zur Verdauung zu sich nehmen. Mit Sportgetränken sieht es schon schwieriger aus, da die gelösten Kohlenhydrate in einer entsprechend großen Flasche schwieriger zu transportieren sind. Bei kalten Temperaturen, wie sie im Marathonherbst schon mal auftreten können, muss der Sportler zudem mehr trinken, als er ausschwitzt, um seinen Energiebedarf zu decken.


10 TIPPS ZUR MARATHONVERPFLEGUNG

Ernähren Sie sich in den letzten Tagen vor dem Start bewusst kohlenhydratreich. Bevorzugen Sie dabei langkettige Kohlenhydrate (Stärke) aus Nudeln, Reis, Kartoffeln und Getreide. Nehmen Sie in den letzten Tagen vor dem Marathon auch genug Flüssigkeit zu sich.

Genießen Sie am Morgen vor dem Marathon in aller Ruhe ein kleines und leichtverdauliches Frühstück zum Beispiel ein Brötchen mit etwas Butter und Marmelade oder Honig, Kaffee nur dann, wenn Sie ihn auch gewohnt sind.

Erkundigen Sie sich, welche Getränke an der Strecke gereicht werden. Gibt es nur Wasser, müssen Sie unbedingt selbst für Kohlenhydratnachschub sorgen.

Kalkulieren Sie Ihren Verpflegungsbedarf für die Strecke. Rechnen Sie pro Stunde mit rund 60 Gramm Kohlenhydraten, die Sie von außen zuführen sollten. Ein Energiegel enthält rund 30, ein Energieriegel rund 40 Gramm Kohlenhydrate.

Nehmen Sie nichts ein, dass Sie nicht im Training schon probiert haben. Die Magenverträglichkeit bei diesen Produkten gehört vor dem Lauf unbedingt getestet.

Zum Transportieren der zusätzlichen Energie eignen sich am besten Gels oder Riegel. Spezielle Trinkgürtel oder auch Startnummerngürtel ermöglichen den Transport beim Wettkampf.

Machen Sie Gebrauch von den Eigenverpflegungstischen. Deponieren Sie hier ihre am besten verträglichen Energie- und Flüssigkeits-Rationen.

Zahlreiche neue Studien belegen, dass es bei großer Hitze auch möglich ist, zu viel zu trinken und den Körper mit Wasser zu überschwemmen. Achten Sie bei Hitze und sehr langen Belastungen daher auch auf die Mineralienzufuhr.

Im Ziel hört die Marathonverpflegung längst nicht auf. Kohlenhydrate helfen nun Ihrer Regeneration und Ihrem Immunsystem. Auch eine ausreichende und hochwertige Eiweißversorgung ist nach dem Rennen wichtig. Innerhalb von zwei Stunden ist eine Aufnahme am besten. Der Körper speichert diese Kohlenhydrate "anders" ab als eine spätere Aufnahme.

Notieren Sie sich nach dem Marathon genau, wann Sie wie viel und welche Verpflegung zu sich genommen und wie Sie sich dabei und danach gefühlt haben. Beim nächsten Mal können Sie auf diese Erfahrungen zurückgreifen und Fehler im Voraus vermeiden.

 
 
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Klaus Spielbüchler

 
 
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