Das
Gleichgewicht ist ein faszinierendes
Phänomen. Die Faszination geht
von einem Spannungsfeld zwischen
zwei Polen, zwischen Verlust und
Wiedergewinn, zwischen dem Bemühen
um ein Gleichgewicht und dem Dialog
mit dem Ungleichgewicht, aus.
"Das
Gleichgewicht spielt im Leben des
Menschen eine viel größere
Rolle als man glaubt. Es ist ständig
bedroht und wird dauernd korrigiert,
ohne dass uns dieses Kräftespiel
zum Bewusstsein kommt," schrieb
der Schweizer Sportwissenschafter
Karl Mülly (1877 - 1960) bereits
1933.
Wird
ein Kind geboren, so setzt es sich
mit Verlassen des schützenden
Mutterleibes dem Spiel der äußeren
Kräfte aus und muss seine inneren
Kräfte dazu in ein Gleichgewicht
bringen. Bei all seinen motorischen
Handlungen und vielfältigen
motorischen Aktivitäten wird
dieses Kräftespiel den Menschen
lebenslang begleiten und seine Lebensqualitäten
beeinflussen.
Für
die Gleichgewichtsorganisation ist
der Vestibularapparat (Innenohr
mit Kleinhirn) zuständig. Es
erfordert jedoch auch eine multimodale
Informationsaufnahme und -verarbeitung
unter Beteiligung aller Analysatorenbereiche,
wie des kinästhetischen (Rezeptoren
in Gelenke, Muskeln, Sehnen), des
taktilen (berühren) und des
visuellen (Auge) Analysatoren notwendig.
Anforderungen
an das motorische Gleichgewicht
werden in Abhängigkeit vom
Alter und vom allgemeinen Leistungsniveau
durch die Bewältigung des Alltags,
durch Arbeitsprozesse, aber besonders
auch durch die sportlichen Handlungen
in den verschiedenen Sportarten
gestellt.
Gleichgewichtsanforderungen
sind immer dann vorhanden, wenn
durch Lageveränderungen des
Körperschwerpunktes im Verhältnis
zur Stützfläche das Körpergleichgewicht
gestört wird.
-
beim Stehen und Gehen, beim Bücken
und Treppensteigen, beim Ausrutschen,
beim Schwimmen, Radfahren, Tanzen,
Bewegungen auf labilen oder sich
bewegenden Unterlagen, verschiedenen
Arten von Drehungen...
Übungen,
um ein gewissen "Grundgleichgewicht"
zu erlangen sind hier kurz erklärt:
-
üben
Sie täglich 5 Minuten, jede
Übung etwa 15 Sekunden, nach
jeder
Übung das Standbein wechseln.
Fühle, wie Sie Ihr Ungleichgewicht
mit den verschiedenen Sinnen und
ihrem Zusammenwirken wahrnehmen.
Zu Beginn genügt es am Fußboden
zu stehen, Fortgeschrittene können
ein mehrfach zusammengelegtes
Badehandtuch oder später
ein
Balance Pad verwenden.
-
Gleichgewichtsverlagerung
im aufrechten Stand - Verlagerungen
des
Schwerpunktes im möglichst
gestreckt bleibenden Stand nach
vorne
und hinten mit paralleler Fußstellung.
-
Seiltänzerstand
- die Beine stehen auf einer gedachten
Linie, die Arme
zur Sicherheit des Gleichgewichts
seitlich austrecken, im Wechsel
zur
Decke, zum Boden, zur linken und
zur rechten Hand schauen, Augen
schließen und wieder öffnen
-
stehen
Sie auf einem Bein mit offenen
Augen und herabhängenden
Armen
-
stehen Sie auf einem Bein mit
Kopf im Nacken
-
stehen Sie auf einem Bein mit
Vor- und Rückschwingen des
Spielbeins
oder/und Armkreisen
-
stehen Sie auf einem Bein und
beugen Sie den Oberkörper
nach vorne
und richten sich wieder auf
-
üben Sie alle Aufgaben auch
mit dem anderen Bein und danach
alle Übungen mit geschlossenen
Augen